Die Kultusministerkonferenz verabschiedet aus Anlass des Bauhaus-Jubiläums die „Dessauer Erklärung“ für eine freie, offene und vielfältige Kulturlandschaft.

Die für Kultur zuständigen Ministerinnen und Minister sowie Senatoren der Länder bekennen sich mit der „Dessauer Erklärung“ gemeinsam und unmissverständlich zur Freiheit von Kunst und Kultur in ganz Deutschland. Aus Anlass des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums warnen sie vor politischer Einflussnahme, finanziellen Sanktionen und jeder Form von Zensur. Die Länder bekräftigen ihre gemeinsame Aufgabe, die Räume künstlerischer Freiheit zu schützen und – wo immer möglich – zu erweitern.

Sven Teuber, Präsident der Kulturministerkonferenz und Minister für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, erklärt: „Das Bauhaus zeigt, was freie Kunst und Gestaltung für die Welt hervorbringen können – und seine Geschichte zeigt, was geschieht, wenn Politik diese Freiheit bekämpft. Wer Kunst nur duldet, solange sie gefällt, hat ihre Freiheit nicht verstanden. Mit der Dessauer Erklärung setzen die Länder ein gemeinsames, unmissverständliches Zeichen: Kunstfreiheit ist nicht verhandelbar – in keinem Land und an keinem Ort in Deutschland.“

In der Erklärung erneuern die Länder ihr 2019 abgegebenes Bekenntnis, kulturelle Vielfalt in einer freien, offenen und demokratischen Gesellschaft zum zentralen Maßstab ihrer Entscheidungen zu machen. Sie unterstreichen, dass die Achtung der Kunstfreiheit ein Gradmesser gesellschaftlicher und demokratischer Freiheit ist. Die gemeinsamen republikanischen, demokratischen und rechtsstaatlichen Grundlagen von Bund und Ländern bilden dafür den verbindlichen Rahmen.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg und A-Länder-Koordinator für Kultur, erklärt: „Die Geschichte des Bauhauses zeigt auf beeindruckende Weise, welch enorme Innovationskraft in den Künsten steckt, wenn sie sich frei entfalten können. Gleichzeitig ist das Ende der Kunstschule nach ihrer Schließung durch die Nationalsozialisten 1933 ein mahnendes Beispiel dafür, wie die Freiheit der Kunst von Demokratiefeinden beseitigt wird. Aktuelle politische Tendenzen, die eine Einschränkung der Kunst zur Folge hätten, verlangen Widerspruch. Wenn Kulturpolitik nicht mehr der Maxime folgt, die Räume für die freie Entfaltung von Kunst und Kultur offen zu halten, sondern Räume verengt, zum Beispiel in dem nationalistisch-völkische Inhalte vorgegeben und davon die Förderung abhängig gemacht werden soll, ist das der Anfang vom Ende unserer Demokratie. Kulturpolitik muss Räume für die freie Entfaltung der Künste offen halten, das ist elementar für unser Zusammenleben als vielfältige, offene Gesellschaft in unserer liberalen Demokratie.“

Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und B-Länder-Koordinatorin für Kultur, erklärt: „Eine vielfältige Kulturlandschaft lebt von eigenständigen Künstlerinnen und Künstlern und von starken, unabhängigen Einrichtungen. Und es ist unsere Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich Kunst und Wissenschaft frei entfalten können und dafür zu sorgen, dass diese Freiheit geschützt wird. Dazu gehört eine verlässliche Kulturförderung und damit untrennbar verbunden die Achtung künstlerischer Freiheit. Wir müssen uns der Verantwortung bewusst sein, die Freiheit zu beschützen, ohne in die Freiheit einzugreifen.“

Die Länder sehen es als gemeinsame Aufgabe ihrer Kulturpolitik an, Freiräume für Kunst und Kultur dauerhaft zu sichern und auszubauen. Künstlerinnen und Künstler ebenso wie Kultureinrichtungen müssen ihre Arbeit ohne politische Vorgaben und ohne Angst vor finanziellen Sanktionen oder anderen Formen von Zensur entfalten können.


Hintergrund

Das Bauhaus siedelte 1925 nach Dessau über, nachdem eine konservativ-rechte Mehrheit in Thüringen seinen Etat massiv gekürzt und den Meistern gekündigt hatte. 1926 wurde das von Walter Gropius entworfene Bauhausgebäude eröffnet. Am 22. August 1932 beschloss der Dessauer Gemeinderat auf Antrag der NSDAP, das Bauhaus zum 1. Oktober zu schließen. In Berlin wurde es als private Einrichtung fortgeführt und löste sich 1933 nach einer inszenierten Durchsuchung durch die Gestapo auf. Das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser in Dessau gehören heute zum UNESCO-Welterbe.

Die Stiftung Bauhaus Dessau und zahlreiche Partnerinnen und Partner begehen das Jubiläum 2025/2026 mit Ausstellungen, künstlerischen Programmen, Konferenzen und Festen.

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