Soziokultur NRW ist eine von neun Gesellschafterinnen des PopBoard NRW und unterstützt diese Stellungnahme.
Mit den Kultur-Schecks hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen ein neues Förderinstrument geschaffen, das kulturelle Veranstaltungen im ländlichen Raum unkompliziert unterstützen soll. Gemeinnützige Vereine, Initiativen und Organisationen können für öffentlich zugängliche Kulturveranstaltungen einen pauschalen Zuschuss in Höhe von 500 Euro erhalten. Ziel des Programms ist es, kulturelle Teilhabe zu stärken, ehrenamtliches Engagement zu unterstützen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort zu fördern. Das Antragsverfahren ist dabei bewusst niedrigschwellig angelegt, um kleine Kulturveranstaltungen mit möglichst geringem bürokratischem Aufwand zu fördern.
Das PopBoard NRW begrüßt ausdrücklich, dass das Land Nordrhein-Westfalen mit den Kultur- Schecks ein unkompliziertes Förderinstrument für kulturelle Veranstaltungen geschaffen hat. Gerade im ländlichen Raum leisten Vereine und Initiativen einen unverzichtbaren Beitrag zum kulturellen Leben. Eine unbürokratische Förderung kann dieses Engagement sinnvoll unterstützen und dazu beitragen, kulturelle Angebote vor Ort zu sichern.
Aus Sicht des PopBoard NRW sollte das Programm jedoch in einigen zentralen Punkten weiterentwickelt werden, um die Bedarfe der Popkultur besser abzubilden und seine Wirkung zu erhöhen:
Mehr Planungssicherheit schaffen
Die Förderung wird erst nach Abschluss der Veranstaltung beantragt. Für Veranstaltende bedeutet das, dass bis dahin unklar bleibt, ob sie die finanzielle Unterstützung tatsächlich erhalten. Diese fehlende Planungssicherheit erhöht den wirtschaftlichen Druck und führt dazu, dass eher Veranstaltungen mit kalkulierbaren Erfolgsaussichten realisiert werden – zulasten von Konzerten mit weniger etablierten Künstler*innen, innovativen Projekten oder experimentellen Formaten. Das Förderprogramm sollte daher bereits vor Durchführung der Veranstaltung Planungssicherheit schaffen.
Musikschaffende und Einzelpersonen berücksichtigen
Gerade im ländlichen Raum werden kleinere Konzertformate häufig von Musikschaffenden selbst oder engagierten Einzelpersonen veranstaltet. Die Szene ist hier häufig selbstorganisiert: Künstler*innen vernetzen sich mit anderen Künstler*innen, um gemeinsam Konzerte und Projekte durchzuführen, und schaffen so eigenständig kulturelle Angebote vor Ort.
Da natürliche Personen von der Antragstellung ausgeschlossen sind, bleibt diese für die Popkultur typische Form der Veranstaltungsorganisation bislang unberücksichtigt. Das Förderprogramm sollte dieser Realität Rechnung tragen und Einzelpersonen ebenfalls den Zugang zur Förderung ermöglichen.
Die Kultur-Schecks sind ein wichtiger Schritt hin zu einer niedrigschwelligen Förderung kleiner Kulturveranstaltungen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt das PopBoard NRW, diesen Ansatz weiterzuentwickeln und die Bedarfe der Popkultur stärker zu berücksichtigen. Die wirtschaftlichen Herausforderungen der Livebranche beschränken sich nicht auf den ländlichen Raum und betreffen ebenso kommerzielle wie gemeinnützige Akteur*innen. Clubs, Festivals und unabhängige Veranstaltende leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen Infrastruktur Nordrhein-Westfalens, stehen aber zugleich zunehmend unter wirtschaftlichem Druck (siehe dazu das Club- und Festival Monitoring der LiveKomm).
Nordrhein-Westfalen braucht deshalb ein vergleichbares, dauerhaftes Förderinstrument für kleine Konzertformate, unabhängig von Gemeinnützigkeit oder Rechtsform und landesweit nutzbar. Es würde wirtschaftliche Risiken reduzieren, mehr Auftrittsmöglichkeiten für weniger etablierte Acts schaffen und innovative sowie experimentelle Formate ermöglichen. Schon geringe Zuschüsse entscheiden bei kleinen Konzerten oft über deren Durchführbarkeit und könnten so mit geringen Mitteln landesweit wirken. Eine solche unkomplizierte Kleinstförderung gehört zu den zentralen kulturpolitischen Forderungen des PopBoard NRW.
Zum Statement auf der Website des Popboard NRW