Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Johannes „Jonny“ Brackmann, der am 3. Oktober 2026 im Alter von 71 Jahren verstorben ist.
Johannes war ein prägender Wegbereiter der Soziokultur in Nordrhein-Westfalen. Als Gründungsmitglied und langjähriger Geschäftsführer des Kulturzentrums GREND in Essen hat er über Jahrzehnte gezeigt, was ein soziokulturelles Zentrum sein kann: ein offener Ort der Begegnung, der künstlerischen Auseinandersetzung, der Bildung, der Beteiligung und des gesellschaftlichen Engagements.
Johannes war ein echtes Ruhrgebietskind. In Bottrop geboren, blieb er der Region und ihren Menschen zeitlebens verbunden. Nach einer Ausbildung zum Chemielaboranten führte ihn sein Weg über die Sozialpädagogik in die Kulturarbeit. Bereits in den 1980er-Jahren engagierte er sich im Bildungswerk „Die Werkstatt“ an der Ruhr. Mit dem Umzug der Werkstatt ins GREND nach Essen übernahm er 1996 dessen Geschäftsführung und entwickelte das Haus gemeinsam mit vielen anderen zu einem lebendigen und weithin anerkannten Kulturort.
Auch für Soziokultur NRW war Johannes Brackmann über mehr als ein Vierteljahrhundert eine unverzichtbare Stimme. Seit den frühen 1990er-Jahren arbeitete er im Arbeitsausschuss mit, dem damaligen Vorstandsgremium. Er gehörte damit zu denjenigen, die die Entwicklung der Landesarbeitsgemeinschaft besonders lange und kontinuierlich begleitet haben. Viele Texte, Stellungnahmen und Diskussionsbeiträge der LAG tragen seine Handschrift. Johannes verfügte über ein enormes Wissen, einen scharfen analytischen Blick und die Fähigkeit, komplexe kulturpolitische Fragen klar auf den Punkt zu bringen. Oft hatte er bereits eine ausführliche Antwort formuliert, bevor andere ihre Frage überhaupt ganz zu Ende gedacht hatten.


Dabei war sein Engagement nie Selbstzweck. Johannes stritt leidenschaftlich für die Sache – für eine starke freie Szene, für verlässliche Rahmenbedingungen von Kulturarbeit und für eine offene, solidarische Gesellschaft. Er konnte hartnäckig sein, ohne den Blick für das Gegenüber zu verlieren. Er moderierte, vermittelte und brachte Menschen, Ideen und Institutionen zusammen. Auch den Kulturbeirat der Stadt Essen prägte er über viele Jahre, davon fast ein Jahrzehnt als Vorsitzender.
Johannes verband kulturpolitische Klarheit mit großer künstlerischer Leidenschaft. Musik war für ihn nicht nur Gegenstand seiner Arbeit, sondern Teil seines eigenen Lebens. Schon in den 1970er-Jahren spielte er in der psychedelischen Krautrockgruppe Reaktor 4. Später war er als Posaunist u.a. bei Schwarz Rot Atemgold 09 und The Dorf aktiv. Ob im Büro, im kulturpolitischen Gespräch oder auf der Bühne: Johannes stand immer für Inhalte, für Gemeinschaft und für die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu bewegen.
Sein Wirken war von Ausdauer, Verlässlichkeit und einer tiefen Überzeugung geprägt: Kultur muss Räume schaffen, in denen Menschen sich begegnen, sich einmischen und ihre Gesellschaft mitgestalten können. Diese Haltung hat die Soziokultur in Nordrhein-Westfalen nachhaltig geprägt. Viele Menschen und Einrichtungen verdanken ihm Ermutigung, Orientierung, Unterstützung und konkrete Wegbegleitung.


Wir werden Johannes Brackmann als klugen und solidarischen Kollegen, als engagierten Mitstreiter, als Musiker, Freund und streitbaren, zugewandten Menschen sehr vermissen. Sein Wissen, sein Humor, seine Beharrlichkeit und sein Glaube an die Kraft gemeinschaftlichen Handelns werden uns fehlen.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freundinnen und Freunden, den Weggefährt*innen im GREND, in der Soziokultur NRW und in der gesamten freien Kulturszene.
– Heike Herold mit Wenke Seidel und Christiane Busmann für Soziokultur NRW