Am 10. September ging’s für die Mitglieder von Soziokultur NRW ins schöne Remscheid-Lennep. Die LAG-Taung war in der Welle zu Gast, einer ehemaligen Badeanstalt aus dem 19. Jahrhundert. Seit 1975 residiert das soziokulturelle Zentrum mit Schwerpunkt auf der offenen Kinder- und Jugendarbeit und Steckenpferd für Medienarbeit hier. Michael Schiffer von der Welle und Heike Herold begrüßten die ca. 60 Tagungsteilnehmenden sehr herzlich.

Neues aus der Geschäftsstelle

Wie üblich berichteten die Kolleg*innen aus der Geschäftsstelle von Soziokultur NRW über kulturpolitische Entwicklungen, warfen ein Schlaglicht auf die neue Runde der Strukturförderung und Fortbildungsangebote für Mitglieder sowie kommende Veranstaltungen, die für die Soziokultur in NRW wichtig werden.

Der Verband wächst

Direkt danach ging es um die Aufnahme neuer Mitglieder: Den Anfang machte das Zentrum Gut!Branderhof e.V. aus Aachen, das Wilfried Warmbrunn in einem Pecha Kucha-Vortrag vorstellte. Bei dem Zentrum handelt es sich – eher untypisch für die Soziokultur – um einen ehemaligen Pferdehof ca. 10 min. von der Stadtmitte entfernt. „Als wir den Hof vor zehn Jahren von der Stadt Aachen angemietet haben, funktionierte genau eine Steckdose und ein Wasserhahn“, erklärte Wilfried. Die Initiative entwickelte sich gut, schon 2019 fanden über 160 Veranstaltungen statt. Nach erfolgreicher Mittelakquise konnte der Hof in den vergangenen Jahren grundlegend saniert werden. Jochen Molck und Heike Herold zeigten sich begeistert von ihrem Besuch des Zentrums, die Mitgliedschaft stimmte für die Aufnahme in den Verband.

Anschließend hatte Julia Storz vom KLuG e.V. / Liebig 257 das Wort, das soziokulturelle Zentrum hatte sich bereits auf der letzten LAG-Tagung vorgestellt. Julia brachte die zentralen Aktivitäten des Zentrums noch einmal in Erinnerung: ein Programm, das von der Community entwickelt und größtenteils auch getragen wird, ein offenes Café, ein Eltern-Kind-Treff ebenso wie Workshops, Konzerte oder Ausstellungen. Die Mitgliedschaft stimmte für die Aufnahme des Zentrums. Wir freuen uns sehr über diese beiden spannenden Neuzugänge!

Neuvorstellung aus Dortmund

Anschließend gehörte die Bühne dem Migrantinnenverein Dortmund e.V. mit Schwerpunkten auf Kunst, Community und feministischer Kulturpraxis. Ayşe Kalmaz, Vorstandsvorsitzende des Vereins, skizzierte die beeindruckenden und bereits seit über 20 Jahren bestehenden Aktivitäten. Gegründet von Frauen mit Migrationsgeschichte, versteht sich der Verein als feministische Kultur- und Communityplattform, die künstlerische Praxis mit Empowerment und gesellschaftlicher Teilhabe verbindet. Besonders beeindruckend ist dabei die gute Vernetzung mit anderen Kultureinrichtungen: So fanden bereits viele Veranstaltungen des Vereins, z.T. mit Hunderten von Zuschauer*innen und Teilnehmenden, im Depot Dortmund, im Theater Dortmund oder im Konzerthaus statt. Über die Aufnahme in den Verband wird – nach einem Vor-Ort-Besuch einer Delegation von Soziokultur NRW – die Mitgliedschaft entscheiden.

Demokratisches Engagement der Soziokultur

Als Nächstes stand ein Update aus der „AG Landtagswahl“ auf dem Programm: Die AG hatte sich in diesem Sommer formiert, um die politische Arbeit des Verbands vor den Landtagswahlen 2027 zu unterstützen und um die demokratiestärkenden Aktivitäten der Soziokultur in NRW noch sichtbarer zu machen. Die AG warb dafür, geplante Veranstaltungen zur Wahl im kommenden Frühjahr verstärkt zu kommunizieren und darüber auch mit der Politik vor Ort zu sprechen und sie in die Häuser einzuladen.

Wertebasierte Veranstaltungsplanung

Nach der Mittagspause gaben drei Zentren Einblicke dazu, wie sie politische Veranstaltungen planen und dabei ihre Ziele und Werte gut im Blick behalten – eine zentrales Anliegen sowohl bei der Raumvergabe der Zentren an Akteur*innen aus dem politischen Raum als auch bei der Planung von Diskussionsrunden nicht nur im Kontext der Wahlen. Gregor Kirchner, Sarah Geselbracht und Birte Gooßes berichteten aus unterschiedlichen Blickwinkeln über die Verständigungsprozesse in ihren Häusern und deren Niederschlag z.B. in Hausordnungen, Codes of Conduct oder in Awareness-Konzepten.

Empowerment für Engagierte

Passend dazu stellte Jasmin Lindstaedt, studentische Hilfskraft bei Soziokultur NRW, ein digitales Angebot des Verbands vor: Um Engagierten in Kunst und Kultur, Bildung und Politik angesichts erstarkender antidemokratischer Tendenzen den Rücken zu stärken, hat Soziokultur NRW wertvolle Online-Ressourcen zum Thema „Demokratische Kulturarbeit“ zusammengestellt. Auf www.soziokultur-nrw.de finden sich Handreichungen und Linktipps, die sich in kompakter Form mit Themenfeldern wie „Demokratie in kultureller Bildung und Teilhabeformaten“, „Öffentliche Veranstaltungen planen und störungsfrei durchführen“, „Hasskampagnen begegnen“ befassen. Auch nützliche Infos zum rechtlichen Rahmen, in dem gemeinnützige Organisationen auch politisch aktiv werden können, sind hier zusammengestellt.

Einmal durchs Haus

Den Abschluss des inhaltsreichen Tages bildete eine Führung durch die Welle. Die Teilnehmenden lernten die Seminar- und Medienräume sowie den Maker*innen Space kennen und durften auch kurz ins Schwimmbecken, das sich immer noch unter dem Veranstaltungsraum befindet. Ein riesiges Dankeschön an alle, die da waren und zum Gelingen dieses tollen Tages beigetragen haben – und ganz besonders an das Team der Welle mit Michael, Ramona, Steffi und allen anderen!