Wichtiges Signal für die Soziokultur in Nordrhein-Westfalen: Auf Initiative der Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen wurde im vergangenen Jahr ein Antrag zur Stärkung der kulturellen Bildung in der Soziokultur eingebracht (Antrag Drs. 18/15917). Nun stand dieses Anliegen im Mittelpunkt einer Anhörung im Ausschuss für Kultur und Medien im Düsseldorfer Landtag.
Sechs Sachverständige waren eingeladen, ihre fachlichen Einschätzungen und Praxiserfahrungen einzubringen. Die Bandbreite der Beiträge machte deutlich, wie eng kulturelle Bildung und verlässliche Strukturen miteinander verwoben sind (die schriftlichen Statements finden sich auf der Website des Landtags NRW).
Gleich zu Beginn machte Heike Herold, Geschäftsführerin von Soziokultur NRW, deutlich: „Wer die Kulturelle Bildung stärken möchte, muss die Infrastruktur stärken, die sie ermöglicht. Wir tun das gezielt mit der Strukturförderung.“ Für diese neue Förderlinie wurden drei Programme von Soziokultur NRW gebündelt – darunter auch „Kulturelle Bildung in der soziokulturellen Praxis“. Partizipative soziokulturelle Projekte werden innerhalb der Strukturförderung besonders hoch gewichtet und damit auch weiterhin gestärkt.
Almuth Fricke, Sprecherin der Sektion „Soziokultur und Spartenübergreifende Kultur“ im Kulturrat NRW, unterstrich, dass die Strukturförderung ein wichtiger Schritt zur Stärkung der kulturellen Bildung in der Soziokultur sei. Ihre volle Wirkung könne sie jedoch erst mit einer mehrjährigen Perspektive und einer angemessenen finanziellen Ausstattung entfalten.
Claudia Keuchel, Leiterin der Arbeitsstelle für Kulturelle Bildung NRW, betonte, dass kulturelle Bildung in der Soziokultur gezielt Kinder und Jugendliche in herausgeforderten Stadtteilen und Lebenssituationen erreiche. Soziokulturelle Zentren übernähmen hier eine wichtige Brückenfunktion und eröffneten jungen Menschen Zugänge zu Kunst und Kultur, die ein Leben lang prägend wirken könnten.
Lukas Hegemann und Sevgi Demirkaya brachten die Perspektive zweier soziokultureller Zentren ein: „Wir fangen mit Teilhabe an und fragen, was die Leute vor Ort beschäftigt. Erst daraus entstehen dann unsere Angebote“, sagte Hegemann, Geschäftsführer der börse in Wuppertal. Demirkaya, Leiterin des Kulturbunker Mülheim in Köln, unterstrich: „Die Hälfte der Menschen, die uns besuchen, haben eine internationale Geschichte. Wir machen unser Programm nicht mit Blick auf diese Zielgruppe, sondern wir leben das!“
Prof. Dr. Reinhold Knopp, Lehrbeauftragter an der Hochschule Düsseldorf, verwies darauf, dass kulturelle Bildung gerade in Zeiten von Fake News unverzichtbar sei, um junge Menschen auch medial kompetent aufzustellen. Zudem belegten zahlreiche Studien und Evaluationen die Wirksamkeit kultureller Bildungsarbeit.
Mit Blick auf die angestrebte Stärkung der kulturellen Bildung in der Soziokultur wurde in der Anhörung an mehreren Stellen deutlich: Ohne zusätzliche Mittel wird dieses Ziel nicht zu erreichen sein. Denn Kostensteigerungen in Höhe von rund 20 Prozent in den vergangenen Jahren, die Umsetzung von Fair Pay sowie Honoraruntergrenzen für Künstler*innen und Vermittler*innen erhöhen den Druck auf die Zentren. Mit „bestehenden Mitteln“, wie es im Antrag heißt, lässt sich eine echte Stärkung nicht realisieren.
Nun bleibt abzuwarten, wie es mit dem Antrag der Regierungskoalition weitergeht. Die Argumente liegen auf dem Tisch – sie müssen gehört und politisch aufgegriffen werden.