Die Qulturwerkstatt e.V. aus Netphen ist mit dem „Q“ unser 85. Mitglied! Wir freuen uns sehr, dieses wunderbar umtriebige Zentrum im Kreis Siegen-Wittgenstein nun in unserem Netzwerk zu haben.
Wir haben mit Stefan Bünnig, Geschäftsführer des Zentrums, und Eva-Nadine Wunderlich, die in der Leitung mitwirkt, über die Geschichte des Zentrums, über die Stärke des ehrenamtlichen Engagements und die spezifischen Angebote im Q gesprochen.
Es gibt die Qulturwerkstatt in Netphen seit 2019 – wie kam es zur Gründung eures Vereins und eures Zentrums?
Stefan: Als Giulia und ich 2018 mit unserer jungen Familie von Stuttgart nach Netphen gezogen sind, kam ein lang gehegter Traum wieder auf. Im Unterschied zur Großstadt fanden wir hier Raum und Nischen im kulturellen Angebot, die nicht besetzt waren. Also begannen wir, das zu machen, was wir uns selbst immer gewünscht hatten, als wir auf Dörfern groß geworden sind.
Eva: Ich fand es damals klasse, dass im Backes in Salchendorf ein Kindertheaterstück aufgeführt wurde. Als Familie, die kurz vorher aus dem Ruhrgebiet zugezogen war, fanden wir nicht nur die Location ungewöhnlich. Auch das kreative Bühnenwerk, das Rahmenprogramm mit Stockbrot am Lagerfeuer und die inspirierenden Gespräche mit euch. Weißt du noch, wie ich zu dir sagte: „Bitte gib‘ mir sofort Bescheid, wenn der Verein Qulturwerkstatt in die Gründungsphase geht“?
Stefan: Ja, absolut. Das geschah dann ganz zeitnah. Nach der Veröffentlichung eines Presseartikels über unser kulturelles Engagement kam Gabi Schlemper auf uns zu. Sie hatte die Tischlerei ihres Vaters geerbt. Plötzlich waren da eine Möglichkeit und eine Vision und wir haben einfach angefangen: Vereinsgründung, Förderantrag „Dritte Orte“ und dann ganz viel machen, machen, machen.
Was gibt es jetzt bei euch in Netphen und Umgebung, was es vorher nicht gab? Wo liegen eure Schwerpunkte?
Stefan: Mit der Qulturwerkstatt hat sich das Kulturangebot in Netphen erweitert. Jetzt gibt es partizipative Projekte und Aktionen professioneller Künstler*innen, wie z.B. Video-Walks mit Menschen aus Netphen. Und es gibt einen Raum, in dem alle willkommen sind und sich einbringen können. Wir haben inzwischen viele selbstverwaltete Gruppen, die sich hier treffen, um zu fotografieren, Theater zu spielen oder sich interkulturell auszutauschen. Am meisten freuen wir uns über die Qulturjugend, die ihre eigenen Veranstaltungen plant und durchführt.
Eva: Als Mutter begeistert es mich, dass das kulturelle Spektrum für junge Menschen vor Ort generell gewachsen ist. Im Programm bieten wir beispielsweise Theaterstücke für Kitas und Schulen, außerschulische Workshops oder die Option beim „Radio der Zukunft“ an der hiesigen Grundschule mitzumachen.
Ihr habt innerhalb kurzer Zeit über 100 Ehrenamtliche gefunden, die sich im Q engagieren. Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?
Stefan: Das ist total vielfältig. Kurz zusammengefasst engagieren sich unsere Vereinsmitglieder in der Gestaltung und Umsetzung von eigenen Formaten, beim Abenddienst, Catering oder im Rahmen von Baumaßnahmen. Auch die Mitarbeit im LenkungsQreis oder das Einbringen von spezifischer beruflicher Expertise z. B. im Bereich Architektur oder Kinderschutz zählen dazu.
Eva: Ein frisches Beispiel: Vereinskollege Sigi hat jüngst alle unsere Stühle auseinandergenommen, gefettet und ordentlich festgezogen – jetzt knarzen sie nicht mehr. Das mag als Kleinigkeit erscheinen, uns hilft solche Unterstützung aber sehr im Betriebsalltag. Seit der Vereinsgründung sind bisher über 6.000 Stunden ehrenamtlicher Einsatz zusammengekommen.
Welches Angebot habt ihr zuletzt ins Leben gerufen?
Stefan: Ganz aktuell findet ab diesem Monat neu die offene Jam-Session statt, die Vereinsmitglied Christof ins Leben gerufen hat. Oder das Stück „Haltestellen“ der intergenerativen Theatergruppe unter Leitung von Tina, Alex und Giulia. Im November wurden außerdem viele Ideen für 2026 beim diesjährigen Programmworkshop gesammelt: vom Kneipenabend im Q bis hin zum SchreibQlub der Qulturjugend.
Eva: Apropos Qulturjugend: Richtig stark fand ich 2025 die von den jungen Leuten organisierte Podiumsdiskussion mit der Lokalpolitik vor der letzten Kommunalwahl. Die „Wahlarena“ hat mich in meiner Wahlentscheidung definitiv unterstützt. Ich bin sehr gespannt auf alles, was noch kommen wird!
Außerdem freut mich ganz besonders, dass sich in diesem Jahr aus unserer Teilnahme am Förderprogramm „Allzeitorte“ insgesamt ein verstärktes Miteinander in unserer Dorfgemeinschaft ergeben hat. Das ist großartig!
Herzlichen Dank für das Gespräch!