Im Oktober 2025 haben die Mitglieder von Soziokultur NRW einen neuen Vorstand gewählt. Alle bisherigen Vorstände hatten für eine weitere Amtszeit kandidiert und wurden im Amt bestätigt. Mit Kristin Schwierz, Geschäftsführerin im Düsseldorfer zakk, konnten wir eine weitere Vorständin für uns gewinnen. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Wir freuen uns sehr, dass du dich bei uns engagierst! Du bist ja schon länger in der Soziokultur unterwegs. Was waren deine bisherigen beruflichen Stationen?

Nach Abschluss meines Sozialwissenschaften-Studiums in Bochum 2004 habe ich erstmal auf verschiedenen Uni-Stellen gearbeitet. 2011 bin ich im Bahnhof Langendreer „gelandet“, wo ich über zehn Jahre lang als Programmplanerin gearbeitet habe. Dank der Kollektivstruktur des Bahnhofs konnte ich in der Zeit auch ziemlich gründlich lernen, wie ein Soziokulturbetrieb in seiner Gesamtheit funktioniert.

Mitten im ersten Corona-Lockdown fing ich an der Uni Münster ein Masterstudium im Non-Profit-Management an – und bekam dabei Lust, beruflich mal was anderes auszuprobieren, auch in einer anderen Rolle. Also bin ich 2022 zu einem kleinen Unterneh­men gewechselt, das u.a. Projekte, Kultur- und Begegnungsorte im Entste­hen berät. Bei der Beratungsarbeit habe ich festgestellt, wie sehr mir die Soziokultur fehlt und wie gern ich eigentlich wieder mittendrin wäre. Als Anfang 2024 die Geschäftsführung im zakk vakant wurde, habe ich dort angeheuert und bin im Juni 2024 in meine neue Aufgabe gestar­tet. Und da bin ich nun!

Was hat dich dazu motiviert, für einen Vor­standsposten zu kandidieren?

Ich bin über die letzten 15 Jahre schrittweise immer mehr in den Landes­verband hineingewachsen, war auf den Tagungen, hab Jury-Arbeit ge­macht, mich in diverse Arbeitsgruppen eingebracht und an inhaltlich-stra­tegischen Diskussionen beteiligt. Mein ganzes Netzwerk in der Soziokultur NRW habe ich dem Landesverband zu verdanken. Da gibt es also seit Jah­ren eine große Verbundenheit. Was man insbesondere bei den Tagungen deutlich sieht: Die Soziokultur ist eine lebendige, wachsende und sich im­mer wieder erneuernde Community, in der enorm viel Spannendes pas­siert. Das motiviert mich jedes Mal aufs Neue. Der Landesverband leis­tet außerdem echt gute Lobby-Arbeit für die Soziokultur. Seine Entwick­lung seit der Gründung sehe ich absolut als Erfolgsgeschichte. Für mich war es somit der nächste logische Schritt, mich hier auch verant­wortlicher einzubringen. Und da freu ich mich jetzt drauf!

Welche Bereiche aus dem soziokulturellen Kosmos liegen dir be­sonders am Herzen?

„Soziokultureller Kosmos“ finde ich tatsächlich die passende Umschrei­bung, denn was die Soziokultur ausmacht, ist ja die große Vielfältigkeit dessen, was hier passiert, und auch die Unterschiedlichkeit der Akteur*in­nen. Das macht für mich nach wie vor auch die Faszination aus. Auch wenn sich der Anspruch „Kultur für alle“ ehrlicherweise nie kom­plett einlösen ließ und lässt: Meine Erfahrung ist, dass soziokulturelle Zen­tren eine ausgeprägte Fähigkeit besitzen, unterschiedliche so­ziale Gruppen, quer zu Alter, Herkunft, Klasse etc., anzusprechen. Diese Fähigkeit zu bewahren ist kein Selbstläufer, sondern eine ständi­ge Aufgabe.

Das ist leider auch eine Frage des Geldes: Der Zwang, wirtschaftlich zu arbeiten, und das Zurückfahren von Fördermitteln erleichtern den Zugang „für alle“ nicht gerade – für zakk muss ich allerdings einräumen, dass wir in einer finanzstarken Kommune wie Düsseldorf vergleichsweise privilegiert sind. Auch die Vielfältigkeit der soziokulturellen Akteure – das sind ja bei Weitem nicht nur die Zentren – hängt unter anderem von den Fördermöglichkeiten ab. Gleiches gilt übrigens auch für die innovative Kraft der Soziokultur, die ja zu ihren großen Stärken zählt. Die Auseinandersetzung um Fragen der Finanzierung und Förderung ist und bleibt also ein ganz zentraler Punkt.

Ein damit verbundenes (Dauer-)Thema, das ich total wichtig finde, ist, die soziokulturellen Zentren als Betriebe in den Blick zu nehmen. Mit der Ar­beit, die hier geleistet wird, verdienen viele Menschen ganz oder teilweise ihren Lebensunterhalt. Durch die Unterfinanzierung der meisten Zentren sind die Löhne allerdings von der allgemeinen Lohnentwicklung längst abgekoppelt, die Honorare für freie Mitarbeitende liegen oft deutlich unter „Markt“. Das ist nicht nur sozial ungerecht, sondern wird auch – gerade jetzt im Generationenübergang – zum reellen Problem für die Zentren. Sie haben zunehmend Probleme, Personal zu finden und zu behalten. Allein mit Herzblut geht es auch in der Soziokultur nicht, es braucht auch faire Arbeitsbedingungen.

Die Soziokultur ist ein Kind der 1970er Jahre, auch zakk feiert bald seinen 50. Geburtstag. Was wünschst du der Soziokultur zum runden Jubiläum?

Die Gründungserzählung der Soziokultur finde ich immer noch wichtig und unbedingt erzählenswert! Zakk gehörte ja mit zu den ersten Aktions- und Kommunikations­zentren überhaupt. Seine bald 50-jähige Geschichte ist auch eine der stän­digen Erneuerung – Generationenwechsel hat zakk schon einige erlebt.

Und mit Blick nach vorne: Für die Zentren wünsche ich mir, dass sie ihre besonderen Stärken nutzen können, um den aktuellen Veränderungen, den multiplen Krisen, Sparregimen, Polarisierungen, rechten Bedrohungen usw. aktiv zu begegnen. Und dass das große Potenzial der Zentren auch politisch gesehen wird. Sie sind nicht nur bedeutende Kulturorte, sondern auch Orte der Begegnung und der sozialen Identifikation, Orte mit „Bindewirkung“ – das wird immer wichti­ger. Das wieder stärker öffentlich und politisch zu vermitteln, ist auch unsere Aufgabe.

Herzlichen Dank für das Gespräch!