Die Altstadtschmiede Recklinghausen feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag und gehört damit zu den ältesten soziokulturellen Zentren in Deutschland. Wir sprachen mit Birte Gooßes, Leiterin des Zentrums, über die Jubiläumsaktivitäten, über die Dinge, die es nur in der Schmiede gibt, und wir blicken auf die Zukunft des Hauses.
Allerherzlichste Glückwünsche zu eurem runden Geburtstag! 50 ist eine beeindruckende Zahl – wie feiert ihr euer Jubiläum?
Vielen lieben Dank! Wir freuen uns auf einen kleinen Festakt am 21.11. mit Wegbegleiter*innen aus 50 Jahren Schmiede – Künstler*innen, Menschen aus Verwaltung und Politik, Ehrenamtliche oder Kooperationspartner*innen. Neben musikalischen Acts gibt’s DIY-Siebdruck-Aktionen und einen Tattoostand mit Motiven zum Jubiläum, zum Haus und zur Soziokultur. Abends wird dann natürlich gefeiert und getanzt! Und wir können endlich das mit den VestBierBrauern gebraute Schmiedeliebe-Bier unter die Leute bringen!
Ihr habt ein buntes Kulturprogramm für Menschen aller Altersstufen. Wie wählt ihr die Veranstaltungen aus?
Wir versuchen, eine gute Mischung aus etablierten Formaten und neuen Impulsen zu bieten. Neben einer Kulturmanagerin gibt es eine große Gruppe Ehrenamtlicher, die monatlich das Programm diskutiert und am Ende auch für die Abendkasse und das Catering vor Ort ist.
Inhaltlich waren wir lange für Jazz und Blues bekannt, für Jazz sind wir bis heute eine feste Anlaufstelle. Auch Nachwuchsförderung ist uns wichtig. Bei unserer Planung ist das Motto der Soziokultur „Kunst von allen für alle“ zentral: Unterschiedlichste Menschen – auch aus marginalisierten Gruppen – sollen sich im Programm wiederfinden. Entsprechend hat sich das Programm in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Wir haben z.B. ein FLINTA-Festival organisiert und spannende kurdische Künstler*innen ins Programm aufgenommen.
Ein Faktor, der leider an Bedeutung gewinnt, ist die Rentabilität: Wir möchten Kultur für alle zugänglich machen und Künstler*innen fair bezahlen – gleichzeitig müssen Ticketpreise erschwinglich bleiben und die Events selbst tragen. Das ist ein Spagat.
Die Schmiede ist in Recklinghausen eine Institution – was gibt es nur bei euch?
Eindeutig Schmiedeliebe! Wir haben eine ganz besondere Atmosphäre im Haus – hier begegnen sich Menschen aus unterschiedlichsten Kontexten und Altersgruppen. Die Schmiede ist für alle offen – und zugleich ein Ort, an dem Menschen Raum und Schutz finden, die ihn andernorts oft nicht haben. Wir sind kürzlich wegen unseres monatlichen Stammtisches für Queers & Friends zum „Wohnzimmer der queeren Community“ gewählt worden, das ehrt uns sehr. Abgesehen davon sind wir die erste Kultureinrichtung in Recklinghausen mit einem offiziellen Awarenesskonzept, das wir bei unseren Veranstaltungen umsetzen.
Kunst ist bekanntlich schön, macht aber auch viel Arbeit. Wovon bräuchtet ihr mehr in der Schmiede?
Das ist eine schwierige Frage – wir möchten nicht undankbar wirken und wir erhalten von vielen Seiten Unterstützung.
Eine bessere finanzielle Absicherung würde uns sehr helfen – so könnten wir mehr experimentieren und auch mal ein nischigeres Programm mit weniger bekannten Künstler*innen auf die Bühne bringen. Aktuell funktioniert das meist noch über Projektmittel, aber uns fehlt eine stabile Basis. Entsprechend freuen wir uns über die anstehende Strukturförderung von Soziokultur NRW.
Wir freuen uns außerdem sehr über Menschen, die uns als Haus mögen und sich hier ehrenamtlich einbringen wollen. Als ein Veranstaltungsformat kurz vor dem Aus stand, weil die Fixkosten nicht mehr tragbar waren, haben sich 14 Leute aus dem Publikum zusammengefunden, sie organisieren jetzt alles ehrenamtlich. Das war unglaublich wohltuend und bestärkend!
Es ist einfach schön, dass Menschen sich so sehr mit der Schmiede identifizieren und selbst aktiv Teil davon werden möchten. Das belebt das Haus nachhaltig! Entsprechend freuen wir uns immer über Leute, die mit anpacken – sei es beim Flyer-Verteilen, bei der Programmgestaltung, am Tresen, beim Einlass usw.!
Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute!