Fundraising wird auch für Kultureinrichtungen immer wichtiger. Gleichzeitig gehört eine gute Portion Beweglichkeit dazu, um als Organisation Gelder von Privatpersonen, Unternehmen oder Stiftungen zu akquirieren.

Wiebke Doktor ist Fundraising-Expertin, Geschäftsführerin des Conversio Instituts und Leiterin des Bereichs Kultur beim Deutschen Fundraising-Verband. Mit ihr sprachen wir über Chancen und Herausforderungen des Fundraisings im Kulturbereich.

Soziokultur NRW: Fundraising ist ein großer Begriff. Um es konkreter zu machen: Auf welchen Feldern kommt Fundraising zum Einsatz?

Wiebke Doktor: Fundraising meint ganz allgemein das Einwerben von Mitteln und Ressourcen. Dies können finanzielle Mittel sein wie Zuschüsse, Fördermittel und Geldspenden, aber auch Mittel wie Zeitspenden, also Ehrenamt. Bei den Spenden kann es um Einzelspenden gehen oder auch um Dauerspenden wie Mitgliedschaften oder Patenschaften.

Im Kulturbereich findet Fundraising also nicht nur auf Projektebene statt, sondern auch auf struktureller Ebene, wenn Vorstandsämter ehrenamtlich besetzt oder Mitglieder für den Trägerverein akquiriert werden.

Was sind die wichtigsten Fragen, die kulturelle oder soziale Organisationen für sich beantworten müssen, wenn sie mit Fundraising starten wollen?

Die wichtigste Frage ist, wie sie die Ressourcen, also Zeit und Budget, aufbringen können: Wer kümmert sich um das Fundraising? Was kann investiert werden? Ohne eine feste Zuständigkeit im Haus wird das Thema immer nur sporadisch aufgegriffen werden. Fundraising muss einen festen Platz haben auf einem Schreibtisch, auf der Tagesordnung von Besprechungen und in der Kommunikation nach außen.

Die Lösung dazu kann auch in Stufen entstehen, z.B. mit einem kleineren Stellenanteil, der durch einen ehrenamtlichen Fundraising-Kreis erweitert wird, um dann mit steigenden Einnahmen zu wachsen. Das heißt, dass die Fundraising-Einnahmen immer auch wieder in die eigenen Strukturen reinvestiert werden müssen. So kann das Thema größer werden und zur finanziellen Absicherung beitragen.

Braucht es immer eine Strategie? Oder hilft es manchmal auch, einfach zu machen?

Es schadet auf jeden Fall nicht, einfach mal zu machen. Oft hilft es schon, Menschen nach Unterstützung zu fragen oder bspw. Fördermitgliedschaften offensiv zu bewerben. Viele Kultureinrichtungen fangen mit Fundraising an, weil ein bestimmtes Vorhaben nicht zu refinanzieren ist. Das geht für Einzelprojekte auch durchaus erfolgreich.

Sobald das Fundraising aber benötigt wird, um dauerhaft zur Finanzierung beizutragen, braucht es eine Strategie, wie das Haus oder der Verein vorgehen will.

Welche Rolle spielt die Kommunikation beim Fundraising?

Das Fundraising ist eine Säule der Kommunikation eines Hauses. Fundraising kommuniziert dabei nicht nur, was das die Einrichtung macht, sondern auch, warum sie relevant ist.

Beim Fundraising wird speziell um Unterstützung geworben oder Menschen werden eingeladen, sich z.B. als Mitglieder, Spender*innen oder Ehrenamtliche zu beteiligen. Die vorhandene Öffentlichkeits- und Kommunikationsarbeit kann vielfältig für das Fundraising genutzt werden, z.B. indem das Spendenkonto mit angegeben wird oder ein Aufruf für eine Mitgliedschaft im Programm beiliegt usw.

Was ist deine Erfahrung: Ist es sinnvoller, auf digitale Kampagnen bei startnext & Co. zu setzen? Oder doch lieber den traditionellen Weg gehen und Partner im lokalen Umfeld suchen?

Die passenden Maßnahmen für ein Haus ergeben sich vor allem aus den eigenen Stärken und Schwächen. Wer keine Crowd hat, sollte nicht mit Crowfunding starten. Wer kein Netzwerk vor Ort hat, muss im ersten Schritt gezielt ein lokales Netzwerk aufbauen. Für den Start ins Fundraising ist daher eine Analyse des Status Quo wichtig.

Anfang September unterstützt du die Mitglieder von Soziokultur NRW, indem du ein Q&A zum Thema Fundraising anbietest. Welche Frage würdest du dir dabei wünschen?

Ich freue mich auf den Termin und alle Fragen, weil sie mir zeigen, dass dieses Thema langsam Priorität gewinnt. So richtig es ist, die öffentliche Förderung für die Freie Szene und die Soziokultur einzufordern: Ebenso wichtig ist es, weitere Einnahmesäulen übers Fundraising aufzubauen, um finanziell resilient aufgestellt zu sein.

Herzlichen Dank für deine Unterstützung und für dieses Gespräch!