von Heike Herold, Soziokultur NRW

Liebe Akteure, liebe Freunde der Soziokultur,

zum Schutz vor Infizierung und Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 wurden die ersten Veranstaltungen vom örtlichen Gesundheitsamt in einem unserer Mitgliedszentren am 11. März untersagt. Eine Woche später waren alle Kulturbetriebe geschlossen. Die rasante Ausbreitung des Virus zog niemals erwartete Regelungen für das öffentliche Leben nach sich. Erst ließ der Shut Down noch auf sich warten. Spätestens die erste Anordnung, zahlreiche folgende Erlasse und die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes machten die Ernsthaftigkeit deutlich. Am 16. April erfolgte eine überarbeitete Verordnung für einen bedachtsamen Wiedereinstieg in eine „neue Normalität“ – so wird das auf bundespolitischer Ebene genannt. Das ist ein blödsinniger Begriff, beschreibt aber, wie auf Sicht agiert wird. Die aktuelle Anordnung gilt bis zum 3. Mai. Soziokulturelle Zentren bleiben aber bis auf Weiteres geschlossen.

Noch greifen auf Landesebene Hilfsprogramme wie die Soforthilfe des Wirtschaftsministeriums und das Kurzarbeitergeld. Der Fonds für die Künstler*innen vom Kulturministerium ist längst erschöpft, es wird aber sowohl von den Szenen als auch von der Politik und dem Kulturministerium um die Fortsetzung gekämpft. Monika Grütters als Beauftragte des Bundes für Kultur und Medien erzählt viel Schönes über die Bedeutung von Kunst und Kultur und verweist die Künstler*innen an die Grundsicherung der Jobcenter. Ansonsten hat die BKM noch keine einzige Maßnahme für Kultureinrichtungen auf den Weg gebracht hat. Neben der Situation der Künstler*innen muss auch die der Einrichtungen im Blick behalten werden! Der Kulturrat NRW beobachtet und kommentiert die Aktivitäten von Land und Bund nahezu täglich kritisch. Gemeinsam fordern wir Kompensationsprogramme und die Klarheit über die Auflagen für Wiedereinstiegsszenarien.

Allzulange werden soziokulturelle Zentren und andere Einrichtungen der freien Kunstszene ohne Verlängerung von Soforthilfe oder Kompensationsprogramme für entfallene Einnahmen nicht aushalten können. Viele Städte haben toll reagiert und ihre Häuser unterstützt. Gleichzeitig verhängen erste Städte Haushaltssperren. Wir wissen alle, was das für den „freiwilligen“ Kulturbereich bedeuten kann. 

Und dennoch sind die Kolleg*innen in den Häusern höchst aktiv. Veranstaltungen werden abgesagt, verschoben, neu ausgehandelt. Neue Planungen für die kommenden Spielzeiten stehen an. Es werden Spenden gesammelt. Digitale Formate werden ausprobiert. Kurse, Workshops, Lesungen, Konzerte aus zusammengebastelten Studios oder Wohnzimmern kommen zu uns nach Hause.

Ein Resetknopf wurde nicht an diese Krise geheftet – wir müssen umdenken, neu denken, Vorhaben und Ziele überprüfen und mit dem bisherigen Tun abgleichen. Relevanzen hinterfragen. Besucher*innen anders begegnen. Da wird es auch Entscheidungen gegen bisherige Veranstaltungsformate und -angebote geben und geben müssen. Das ist wahrscheinlich weniger dramatisch als das Zusammenbrechen der soziokulturellen Infrastruktur, die in langen Jahren engagiert aufgebaut worden ist.

Bei allem Respekt vor den notwendigen Schutzmaßnahmen, braucht es jetzt dringend Signale, wie für uns ein Wiedereinstieg aussehen kann. Auch wenn das noch einen Monat oder länger dauert, für die Planung von Veranstaltung ist eine klare Aussage über Termine genauso wichtig wie über die Form von möglichen Veranstaltungen. Bestellt jetzt schon mal ausreichend Mund- und Nasenschutzmasken oder näht sie euch! Braut Desinfektionsmittel und macht Hygienekonzepte. Bereitet euch vor und kümmert euch weiter umeinander!

Heike Herold, am 22.4.2020


Fotonachweis auf der Startseite: Kulturzentrum Pelmke, Hagen