Von Hendrik Stratmann und Lea Hahn
Soziokulturelle Praxis ermöglicht Menschen, ihre ästhetischen, kommunikativen und sozialen Fähigkeiten zu entfalten. Sie schafft Räume für Austausch, Teilhabe und gemeinsames Gestalten und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Chancengleichheit und demokratischen Kultur.
Um diese Arbeit zu unterstützen, vergibt Soziokultur NRW Fördermittel des Landes NRW in sechs Programmlinien. Die Förderprogramme Allgemeine Projektförderung und Transkulturelle Projektarbeit stehen allen Antragstellenden offen. In den Programmen Kulturelle Bildung in der soziokulturellen Praxis, Kooperationsförderung, Investitionsförderung und Konzeptförderung können ausschließlich Mitglieder von Soziokultur NRW Anträge stellen.
Alle Förderentscheidungen werden von unabhängigen Jurys getroffen. Sie sind mit Expert*innen aus der freien Szene, aus Mitglieds- und Facheinrichtungen sowie Spartenverbänden besetzt. Zusätzlich zur fachlichen Qualität der Anträge achten sie darauf, dass die Projekte zentrale soziokulturelle Kriterien erfüllen. Diese entsprechen den Bestimmungen des Kulturfördergesetzbuchs Nordrhein-Westfalen.
Förderpolitische Trends
Programmübergreifend zeigte sich auch in den Jahren 2024 und 2025, wie agil und sensibel die Soziokultur in NRW auf aktuelle Bedarfe reagierte. Viele Projekte zielten auf die Stärkung einer demokratischen, vielfältigen Gesellschaft. Soziokulturelle Angebote eröffneten offene wie geschützte Diskursräume, in denen brennende gesellschaftliche Fragen künstlerisch verhandelt wurden. Die Projekte richteten sich an die Vielfalt unserer Gesellschaft, erreichten verschiedenste Zielgruppen und verbanden aufsuchende mit einladender Kulturarbeit. All dies geschah mit hohem professionellem Anspruch, was umso beachtlicher ist, als die Zentren zugleich mit massiven Kostensteigerungen und Inflation zu kämpfen hatten.
Das Interesse an den Förderprogrammen von Soziokultur NRW war weiterhin groß, das Antragsaufkommen wuchs im Berichtszeitraum z. T. erheblich. Die Beratungs- und Informationsangebote rund um die Förderprogramme wurden sehr gut angenommen.
Vom Projekt zur Struktur: neue Förderlinie von Soziokultur NRW
Soziokultur NRW setzt sich seit vielen Jahren für eine Landesstrukturförderung ein. Im Berichtszeitraum entwickelte der Verband gemeinsam mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und den Bezirksregierungen ein konkretes Modell für eine neue Förderlinie. Im Herbst 2025 startete die „Strukturförderung Soziokultur“ als Pilotprojekt.
Um die Strukturförderung finanziell zu ermöglichen, gab Soziokultur NRW die Mitgliederprogramme Kulturelle Bildung in der soziokulturellen Praxis, Kooperationen von soziokulturellen Zentren mit kommunalen Kultureinrichtungen und Konzeptförderung auf. Insofern war 2025 zugleich ein Jahr des Abschieds von drei langjährigen Programmen. Auswertungen finden noch statt.
Förderhandeln digital
Im Berichtszeitraum arbeitete die Geschäftsstelle intensiv am Ausbau ihrer digitalen Intrastruktur. 2024 konnte erstmalig die Allgemeine Projektförderung vom Antrag bis zum Verwendungsnachweis über ein digitales Portal abgewickelt werden. Im Jahr 2025 folgte die Investitionsförderung. Die Digitalisierung der Prozesse vereinfacht dabei auch die innerverbandliche Kommunikation und die Berichtspflichten gegenüber der fördernden Landesregierung. Themen, Trends und Bedarfe der Mitglieder lassen sich schneller erkennen, in Beratungsangebote überführen und kulturpolitisch aufgreifen.
Allgemeine Projektförderung und transkulturelle Projektarbeit
Die Programme Allgemeine Projektförderung und Transkulturelle Projektarbeit ermutigen Kulturinitiativen, Künstler*innen und Kollektive, engagierte Einzelpersonen und Einrichtungen, Vorhaben mit künstlerisch-partizipativem Ansatz in einem gesellschaftlich-reflexiven Rahmen umzusetzen. In transkulturellen Projekten stehen dabei die vielfältigen Diversitätsdimensionen besonders im Fokus.
Die Projektvielfalt ist in beiden Programmlinien groß. Gefördert werden Vorhaben mit kulturellen Bildungsanteilen wie inklusive Schreibwerkstätten, Projekte in der Stadt- oder Quartiersarbeit für Gemeinschaft und gegen Einsamkeit ebenso wie solche, die die Sichtbarkeit und Perspektiven von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen erhöhen oder sich gezielt an marginalisierte Gruppen richten. Dabei lassen die Projekte stets Spielräume für neue Ideen.
In den Jahren 2024 und 2025 wurden insgesamt 185 Projekte gefördert. In ganz NRW konnten unterschiedlichste Bildungsworkshops, Info- und Diskussionsveranstaltungen, Begegnungscafés, Festivals, Theater-, Film-, Tanz- und Musikaufführungen durchgeführt werden – immer verbunden mit einem künstlerischen Umsetzungsanteil.
Die geförderten Projekte sind mehrheitlich im urbanen Bereich zu verorten. Anträge aus der Peripherie oder ländlichen Gebieten nehmen langsam zu, sind aber noch unterrepräsentiert.
Diversität hat Hochkonjunktur
Die Diversitätsförderung ist schon immer ein wichtiges Arbeitsfeld der soziokulturellen Praxis. Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Geschlechtsidentität, mit und ohne Behinderungen gehören zum Adressat*innen- wie auch zum Initiator*innenkreis der Projekte. Die Frage, wie wir in einer vielfältigen demokratischen Gesellschaft zusammenleben wollen, steht bei vielen Projekten im Zentrum. Die geförderten künstlerischen Vorhaben aus diesem Bereich sensibilisieren für gelebte Vielfalt und Toleranz. Und Teilnehmende werden dabei unterstützt, mit ihren Themen und Herausforderungen selbstbestimmt umzugehen.
Die Einbeziehung von Diversitätsaspekten in die Projektvorhaben wurde in den Jahren 2024 und 2025 immer selbstverständlicher. Aus diesem Grund werden Projekte mit allgemeinem und transkulturellem Schwerpunkt in den Jurys ab 2026 nicht mehr getrennt beraten.
Feinjustierung der Programme
Nachdem Soziokultur NRW 2023 wegen der spürbar angestiegenen An[1]träge allein in der ersten Ausschreibung der Allgemeinen Projektförderung / Transkultur nur eine Vergaberunde durchgeführt hatte, fanden ab 2024 wieder zwei Ausschreibungen statt. Ab 2025 veränderten sich die Fördersummen leicht: Die maximal zu beantragende Förderung in der ersten Ausschreibungsrunde stieg für bereits geförderte Antragstellende auf 20.000 Euro, noch nicht Geförderte konnten bis zu 10.000 Euro beantragen. In der zweiten Vergaberunde konnten 8.000 Euro bzw. 4.000 Euro beantragt werden.
Die Beratungen für Antragstellende und Projektdurchführende wurden im Berichtszeitraum weiter ausgebaut. Informationsveranstaltungen sowie Einzelberatungen per Video und Telefon wurden als Angebotsformate intensiv genutzt.
Nachfrage weiterhin hoch
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 285 Vorhaben mit einem Förderbedarf von rund 2,6 Mio. Euro beantragt – ein erneuter Anstieg gegenüber den Jahren zuvor. 97 Vorhaben konnten mit einer Gesamtsumme i.H.v. 817.995 Euro gefördert werden, darunter 22 Projekte von Mitgliedseinrichtungen von Soziokultur NRW.
Die hohe Nachfrage nach Fördermitteln setzte sich 2025 fort: 273 Anträge mit einem Förderbedarf von rund 2,4 Mio. Euro wurden eingereicht. 88 Vorhaben konnten gefördert werden, davon 28 aus Mitgliedszentren. Die Erfolgsquoten für eine Förderung in den beiden Jahren lagen somit bei 34 bzw. 32 %.

Kulturelle Bildung in der soziokulturellen Praxis
Seit 2017 fördert Soziokultur NRW Projekte der kulturellen Bildung. Das Programm legt besonderen Wert auf die Einbindung von Künstler*innen und/oder Kunstpädagog*innen in Projekte der kulturellen Bildung. Als Herausforderung erweist sich der begrenzte Zeitrahmen, der durch die festgelegten Förderzeiträume vorgegeben ist – insbesondere bei Kooperationsprojekten mit Partnern wie Schulen.
Seit 2021/2022 wurde das Förderprogramm zweijährig ausgeschrieben, verbunden mit einem deutlichen Mittelaufwuchs. Beides ermöglichte den projekttragenden Zentren eine langfristigere Planung und die Verstetigung kultureller Bildungsprozesse.
Spartenübergreifende Kulturangebote
In der Förderperiode 2023/2024 wurden 22 Mitgliedszentren von Soziokultur NRW unterstützt. 2025 wurde das Programm wegen der Umgestaltung der Förderlinien im Kontext der Strukturförderung nur einjährig ausgeschrieben, in diesem Zeitraum konnten 23 Vorhaben gefördert werden. Die geförderten Projekte wiesen eine große künstlerische Spannbreite auf: von bildender Kunst über Tanz und Musik bis zu Literatur und Theater. Viele Vorhaben waren spartenübergreifend angelegt.
Ein Großteil der Projekte war in der Kinder- und Jugendkultur verortet, einige verfolgten auch einen generationsübergreifenden Ansatz. So wurden neben jungen Menschen auch ältere Erwachsene erreicht.
Partizipation als Prinzip
Die geförderten Vorhaben hatten hohe partizipative Anteile, zum Teil wurde die Projektgestaltung vollständig gemeinsam mit den Teilnehmenden entwickelt. Einige Projekte aus früheren Förderperioden wurden bedarfsorientiert weiterentwickelt und von der Jury erneut für eine Förderung in 2023/2024 bzw. 2025 empfohlen. Dies entspricht der Anforderung der Kulturellen Bildung, die ihre Wirkung erst langfristig entfaltet.
Die Antragstellenden reagierten 2025 teils ausdrücklich auf das Ende des Förderprogramms im Zuge der Neuaufstellung des Förderportfolios von Soziokultur NRW. Manche schlossen bewährte Formate ab, andere entwickelten ihre Ansätze weiter, um sie an die veränderten Rahmenbedingungen der Förderung anzupassen.
Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen bewilligte für die Förderperiode 2023/2024 1 Mio. Euro und für 2025 500.000 Euro. Pro Förderjahr wurden rund 10.000 Euro für Organisationskosten verwendet. Die Förderhöhen der Projekte lagen zwischen 10.000 Euro und 25.000 Euro (pro Förderjahr).
2023/2024 wurden für die 22 positiv beschiedenen Projektanträge insgesamt 980.000 Euro bewilligt. Das Gesamtvolumen der bewilligten Vorhaben lag bei rund 1,25 Mio. Euro. Eingereicht wurden 28 Anträge mit einer beantragten Fördersumme von insgesamt 1,23 Mio. Euro bei einem geplanten Gesamtvolumen von rund 1,52 Mio. Euro.
In der Förderperiode 2025 wurden 28 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 729.967 Euro eingereicht, davon wurden 560.453 Euro zur Förderung beantragt. Bewilligt werden konnten 23 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von 490.000 Euro. Das Gesamtvolumen der bewilligten Vorhaben betrug 623.410 Euro.

Konzeptförderung
Die dreijährige Konzeptförderung unterstützt soziokulturelle Zentren seit 2006 bei der (Weiter-)Entwicklung ihrer künstlerischen Schwerpunkte und der Professionalisierung bestehender Strukturen. Pro Förderjahr können bis zu 50.000 Euro eingeworben werden. Dadurch kann festes Personal für eine qualitativ hochwertige Betreuung des jeweiligen Projekts gebunden werden, zudem werden Honorarausgaben und Sachkosten finanziert.
Die Konzeptförderung ermöglicht die Umsetzung größerer Projekte der Mitgliedszentren von Soziokultur NRW. Im Berichtszeitraum hat sie bspw. die Alte Feuerwache Köln dabei unterstützt, ein partizipativ angelegtes Nutzungskonzept für den Hof des Zentrums zu erarbeiten. Das Depot Dortmund hat die Förderung genutzt, um eine Audience-Development-Strategie zu entwickeln und sich für weitere Zielgruppen zu öffnen. Die Konzeptförderung wirkt oft wie eine Anschubfinanzierung: Die beachtliche Förderhöhe und die Mehrjährigkeit verschaffen den Projekten Relevanz und Resonanz. Nicht selten hat sich daraufhin die kommunale Finanzierung der Häuser verbessert.
In den Jahren 2024 und 2025 liefen zwei Förderphasen des Programms parallel: 13 geförderte Einrichtungen befanden sich von Mitte 2022 bis Mitte 2025 in der Förderung und weitere zehn von Mitte 2024 bis Ende 2025. Mit der verkürzten Programmphase 2024 bis 2025 endet die Förderlinie Konzeptförderung. Sie wurde zusammen mit zwei weiteren Förderlinien zur „Strukturförderung Soziokultur“ gebündelt.
Insgesamt standen den geförderten Einrichtungen im Zeitraum 2022 bis 2025 rund 1,8 Mio. Euro zur Verfügung. Die Förderphase 2024/2025 unterstützte die Einrichtungen mit einer Gesamtfördersumme von knapp 745.000 Euro.

Kooperationen von soziokulturellen Zentren mit kommunalen Kultureinrichtungen
Die Kooperationsförderung von Soziokultur NRW unterstützt die Zusammenarbeit von soziokulturellen Zentren mit kommunalen Einrichtungen wie Theatern, Archiven, Museen, Gedenkstätten, Bibliotheken, Volkshochschulen oder Musikschulen.
In der Förderperiode 2024/2025 befanden sich neun Kooperationsprojekte in der Förderung. Die Spannbreite der kooperierenden kommunalen Kultureinrichtungen war groß, dementsprechend vielfältig war auch die spartenmäßige Verortung der Projekte: Literatur, politische Bildung, Tanz, Fotografie, Musik sowie Kinder- und Jugendkultur waren vertreten.
Das Programm ist ein Erfolgsmodell, die Anzahl der Anträge wächst kontinuierlich. Die Kooperationsprojekte tragen zu einer besseren Positionierung der soziokulturellen Einrichtungen in der lokalen Kulturlandschaft bei. Durch gemeinsame Veranstaltungen und eine abgestimmte Kommunikation gelingt es beiden Kooperationspartnern, neue Publikumskreise anzusprechen und ihre Reichweite zu vergrößern.
Für die Jahre 2024/2025 hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen insgesamt 300.000 Euro für diese Programmlinie bereitgestellt. Davon wurden rund 294.164 Euro für neun Kooperationen bewilligt, die verbleibenden Mittel flossen in Organisationskosten. Das Gesamtvolumen der bewilligten Projekte betrug rund 390.000 Euro.
Der Förderbedarf ist deutlich höher: Beantragt wurden 20 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von rund 640.000 Euro und einem Gesamtvolumen von rund 859.000 Euro.

Investitionsförderung
Die Investitionsförderung für soziokulturelle Zentren gehört seit 2019 zum Förderportfolio von Soziokultur NRW. Sie ermöglicht den Mitgliedseinrichtungen, dem Investitionsstau entgegenzuwirken und in kleinem Rahmen in die Instandhaltung sowie die Modernisierung der technischen und räumlichen Ausstattung zu investieren. Die Maßnahmen kommen der künstlerischen Entwicklung zugute und dienen der Professionalisierung der Einrichtungen.
Im Berichtszeitraum lagen die Schwerpunkte der Maßnahmen insbesondere auf der Anschaffung von Ton- und Lichttechnik – darunter verstärkt auch die Umstellung auf nachhaltigere LED-Beleuchtung –, Bühnentechnik sowie Ausstattung von Arbeits-, Seminar- und Büroräumen.
2024 und 2025 stellte das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen jeweils 218.000 Euro für die Investitionsförderung zur Verfügung. Ein kleiner Anteil der Mittel wurde in beiden Jahren für Organisationskosten eingesetzt. Die Förderhöhen lagen zwischen 2.000 Euro und 7.000 Euro pro Jahr.
Im Jahr 2024 wurden 55 Investitionsmaßnahmen mit insgesamt 213.900 Euro gefördert. Das Gesamtvolumen der geförderten Maßnahmen betrug rund 310.400 Euro. 2025 konnten Maßnahmen in 60 Zentren mit 214.400 Euro unterstützt werden. Das Gesamtvolumen der geförderten Projekte lag bei rund 352.700 Euro.
Der konstant hohe Bedarf bei der Investitionsförderung zeigt sich auch in den beantragten Fördersummen: 2024 wurden 55 Anträge mit einem Fördervolumen von rund 358.300 Euro eingereicht. 2025 waren es 66 Anträge mit einem beantragten Gesamtvolumen von rund 397.600 Euro. Dies unterstreicht die anhaltend hohe Relevanz des Programms.

Hendrik Stratmann und Lea Hahn sind Programmreferent*innen bei Soziokultur NRW.
Dieser Text ist ein Auzug aus dem Jahresbericht 2024/25 von Soziokultur NRW. Er steht zum Download zur Verfügung und kann in gedruckter Form bestellt werden per Mail an lag@soziokultur-nrw.de.
Headerfoto: Sommerakademie der B-Side, Münster (2025). Foto: Florian Kochinke