soziokultur

Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NW e.V.

Warum so eine Kampagne?

12.10.2011 > Die LAG NW startet mit der „Neidkampagne 2011“!

Mensch aergere dich nicht

Die LAG NW startet mit der „Neidkampagne 2011“! Warum so eine Kampagne?

Die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen e.V. (LAG NW), der Zusammenschluss von 66 Soziokulturellen Zentren und Initiativen in freier Trägerschaft in Nordrhein-Westfalen (von Jülich bis Emsdetten und von Siegen bis Minden), startet mit der „Neidkampagne 2011“. Eingebunden ist die „Neidkampagne“ in den bundesweiten Aktionen zum Tag der Soziokultur, siehe auch http://www.tag-der-soziokultur.de

Soziokulturelle Angebote werden „Mainstreaming“
Die Geschichte der soziokulturellen Arbeit und Einrichtungen ist fast vierzig Jahre alt. Sie ist eine Erfolgsgeschichte, was die Zahl der Einrichtungen und der Aktiven – Hauptamtliche und vor allem Ehrenamtliche – betrifft. Und sie ist eine Erfolgsgeschichte, was den Umfang, die Qualität und die Vielfalt der Angebote ausmacht. Die Soziokultur wird mittlerweile gesellschaftlich und kulturpolitisch akzeptiert. Inhalte und Formate (spartenübergreifende Angebote, Interkultur, Poetry Slam, Nachwuchsarbeit, zielgruppenorientierte Angebote) wurden fast „Mainstreaming“ und auch von anderen Kultureinrichtungen übernommen.

Zahlen, Daten, Fakten!
In den Soziokulturellen Zentren von Nordrhein-Westfalen finden mehr als 13.500 Veranstaltungen pro Jahr statt. Dazu kommen fast 2.400 kontinuierliche Angebote. Mehr als 5 Millionen Mal wurden die Veranstaltungen und Angebote der Kulturzentren besucht. JedeR fünfte BesucherIn ist unter 20 Jahre alt. Ermöglicht wird das durch die Arbeit von 450 Vollzeit- und Teilzeitkräften sowie von 1.900 ehrenamtlich Engagierten. 200 junge Menschen arbeiten als Auszubildende, im Freiwilligen Sozialen Jahr, als Zivildienstleistende oder als PraktikantInnen. Hinzu kommen 380 geringfügig Beschäftigte und 1.000 Honorarkräfte. Knapp 11 % der Gesamtzahl der Festangestellten sind Menschen mit Migrationshintergrund.

Ungleichgewicht bei der Förderung!
Diese gesellschaftlichen Beiträge schlagen sich jedoch nach wie vor nicht in der finanziellen Ausstattung durch Zuschüsse aus den öffentlichen Haushalten nieder. 75% der befragten Zentren hatten in der Vergangenheit und haben gegenwärtig finanzielle Schwierigkeiten. Die Förderung und Unterstützung der Zentren steht in keinem Verhältnis zur anerkannten Arbeit und Akzeptanz der Zentren. Einige Zahlen: Die Landesförderung für die kommunalen Theater betragen ca. 15 Mio. und die Soziokulturellen Zentren bekommen ca. 0,5 Mio. aus dem Landeskulturetat. Die Zentren verzeichnen ca. 5 Mio. Besuche, die Stadttheater und Orchester haben ca. 4 Mio. ZuschauerInnen. Die jeweilige kommunale Förderung verstärkt dieses Verhältnis. Tariferhöhungen der kommunalen Bediensteten oder Defizite im jeweiligen Haushalt werden in der Regel übernommen, während für die Zentren das meistens Fremdworte sind.

Seit Beginn der Arbeit der Zentren machen sie Öffentlichkeitsarbeit, stellen ihre Arbeit da und präsentieren immer wieder ihre Leistungen, insbesondere bei Politik und Verwaltung. In einigen Städten sind die Zentren stark in den Medien präsent, in anderen Städten höchstens Lückenbüßer. Das jeweilige Theater oder andere Großeinrichtungen sind dagegen häufig oder fast nur im Blickfeld. Der Sport sowieso. Auf Landesebene ist das ähnlich, auch wenn sich einiges bewegt. Bei Politik und Verwaltung ist diese unterschiedliche Sichtweisen noch oft vorzufinden. Der gleichberechtigte Förderzugang und eine entsprechende Wertschätzung der verschiedenen Kulturangebote sind nur bedingt vorhanden.

Die besondere Aufmerksamkeit entsteht nur, wenn wir was ganz besonderes zu berichten haben oder etwas skandalisiert wird. Oder man zu einer „systemrelevanten“ Einrichtung wird. Unser Aufruf „Wir machen den Scheiß nicht mehr mit“ im Frühjahr letzten Jahres, siehe:
www.soziokultur-nrw.de/?id=1266247931
hat einiges verdeutlicht. Nicht nur wegen der vielen Unterschriften, sondern zum einen wegen dem provokanten Titel und die Irritation, das es ein Aufruf von OB`s, KämmerInnen und Kulturschaffenden ist, wo kaum einer von ihnen unterschrieben hatte. Der Inhalt dieses Aufrufes wurde breit diskutiert und das war uns wichtig.

Warum so eine Kampagne?

Ein weiteres Motiv für diese Kampagne war, dass wir immer auf vielen Ebenen gewarnt wurden, eine „Neiddebatte“ zu führen. Und auch nicht Soziales oder Jugend gegen Kultur ausspielen sollten. In der Kultur würden alle im gleichen Boot sitzen. Aber das ist nicht so. Manche sitzen in der Titanic, andere im Schlauchboot. Um das deutlich zu machen, sagen wir: „Wir führen die Neiddebatte!“

Rainer Bode, Geschäftsführer der LAG NW: „ Nach jahrelangen positiven Entwicklungen der soziokulturellen Zentren in den Städten und im Land erwarten wir eigentlich, das die Soziokultur auf Augenhöhe, gleichberechtigt gesehen wird und die Förderungerechtigkeit beseitigt wird. Gerade auch im Hinblick der Debatte um das neue Kulturgesetz in NRW ist das zwingend notwendig.“

Und worin besteht die Neidkampagne?
Durch Plakate, die nicht nur in vielen Zentren der LAG NW hängen. Durch Postkarten, die an Politik und Verwaltung geschickt werden. Durch Veranstaltungen und Diskussionen, die vor Ort passieren Und durch die Gespräche, die die Zentren mit der Politik und Verwaltung in Ihrer Kommune führen.
Und daraus folgt dann sicherlich noch mehr.


Tag der Soziokultur 2011

Mit dem Aktionstag wird das Ziel verfolgt, die in Deutschland vielfältig vorhandene soziokulturelle Arbeit sichtbar zu machen. Anhand der vielfältigen Aktivitäten zum Aktionstag werden die Teilnehmer für die Notwendigkeit der vernetzten und Menschen mit einbeziehender Kulturarbeit sensibilisiert. Jochen Molck vom Zakk in Düsseldorf: „Tag des Baumes, Tag des Kindes, Tag der Zahngesundheit- braucht es wirklich einen Tag der Soziokultur? Ja! Denn es gibt nicht nur das zakk in Düsseldorf, sondern über 500 ähnliche (und manchmal doch ganz andere) Kulturzentren in Deutschland, die als non-profit Initiativen tagtäglich Kultur anbieten und wichtige Treffpunkte sind. Bei uns gibt es nicht nur
Highlights, sondern auch Nachwuchsförderung, Experimente, hier hat auch die "kleine" Veranstaltung ihren Platz. Wir teilen den Anspruch, keine abgehobene, elitäre und "teure" Kultur zu organisieren, sondern Bezug zu gesellschaftspolitischen Fragen, zu Alltagsrealitäten herzustellen, wir machen "Kultur für alle".
Der Tag steht unter dem Motto "vernetzt". Dies steht nicht nur für "angeschlossen sein an die digitale Welt", sondern auch für gegenseitiges Unterstützen, Helfen, voneinander lernen. Als das Datum und das Motto für den bundesweiten Aktionstag bekannt gegeben wurden, stand die Veranstaltung für diesen Tag im zakk bereits fest: Am 13.10. findet im Rahmen des 3 Tage Rennens der Newcomer Contest stand, bei dem ganz junge Bands sich dem Publikum und der Jury stellen.“

Olaf Zimmermann, Deutscher Kulturrat, sagte: „Ich freue mich sehr, dass der ‚Tag der Soziokultur’ in diesem Jahr erstmalig begangen wird. Die Arbeit der soziokulturellen Zentren ist von großer Wichtigkeit für eine lebendige Kunst- und Kulturszene in Deutschland. Durch den ‚Tag der Soziokultur’ wird die Notwendigkeit zum Erhalt dieser einmaligen Kulturstrukturen, die Kultur von allen und für alle niederschwellig anbieten, deutlich gemacht.“ Bei Nachfragen sind wir fast jederzeit erreichbar (Tel. 0251-518475).
Materialien zur Kampagne sind hier zu finden und zum Download bereit:
http://inhalt.soziokultur-nrw.de/neidkampagne/

Rainer Bode
Geschäftsführer der LAG NW

Mit ohne Alles

Bitte Platz nehmen

> ARCHIV > KULTURPOLITIK NRW > WIR UEBER UNS

zentren

weitere