soziokultur

Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NW e.V.

Bald ist es vorbei oder?

19.12.2007 > Rauchen in NRW und anderswo:

LAG NW (Rainer Bode) schrieb Anfang Dez. 2007:

An die LAG`s und den Vorstand der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren

Liebe Leute,
wir hatten auf unserer letzten LAG NW Tagung kurz das Themen Rauchen bzw. Nichtraucherschutz diskutiert. Dabei kam die Frage auf, wie das in den anderen Bundesländern praktiziert wird bzw. welche Erfahrungen gibt es dazu. So weit ich weiß, ist das bis jetzt in Niedersachsen und Hessen geregelt. Oder Baden-Württemberg? Also:
Könnt ihr mir kurz berichten, wie ihr bzw. eure Einrichtungen da so mit umgeht oder umgehen müßt? Ist das ganze Haus als Kultureinrichtung rauchfrei? Habt ihr Raucherecken innerhalb der Gastronomie oder außerhalb des Hauses (so wie auf dem Schulhof)? Hat es nennenswerte Einbrüche bei den Umsätzen in der Gastronomie, bei den Discos, bei den Konzerten gegeben? Oder sind jetzt auch wieder neue Leute gekommen?
Wie sind die Auflagen von Seiten der Verwaltung? Gibt es Kontrollen?
Und vieles mehr, falls ihr dazu was berichten könnt. Ist vielleicht auch für alle Länder interessant, die noch nicht dabei sind.
NRW will in den nächsten Wochen das Gesetz verabschieden. Auch mit diversen Ausnahmen (Übergangsregelung für Gastronomie bis Mitte 2008, Erlaubnis in Räumen, wo Leute hingehen müssen ? u.a.).
Vielleicht könnte da auch ein Blog eingerichtet werden.
Danke und Gruß

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Hallo Rainer,

wir haben in Niedersachsen mit dem Gesetz zum Schutz vor dem Passivrauchen weitreichende Regelungen erhalten, die auch die soziokulturellen Zentren dirket berühren, und zwar außerhalb der in der Öffentlichkeit diskutierten Gaststättensituation. Nach unserem Gesetz dürfen u. a. in allen Räumen der öffentlichen Verwaltungen (Bund, Land, Kommunen usw.), Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe (incl. Schulen), der Erwachsenenbildung und "Einrichtungen, die der Bewahrung,
Vermittlung, Aufführung oder Ausstellung künstlerischer, unterhaltender oder historischer Inhalte oder Werke dienen, soweit die Räumlichkeiten öffentlich zugänglich sind" nicht geraucht werden. Nach unserer LAGS-Interpretation ist das die Beschreibung von Kultureinrichtungen im weitesten Sinne und in denen darf somit nicht geraucht werden.

Bei uns in der Brunsviga sind wir wie folgt verfahren: Nach der Sommerpause (wir haben drei Wochen in den Sommerferien geschlossen) haben wir das gesamte Haus incl. Gastronomie zur rauchfreien Zone erklärt (wir wußten ja, was rechtlich auf uns zukommt). Rauchen darf man bei uns nur noch draußen auf der Terrasse im Erdgeschoss und auf einem Balkon im zweiten Obergeschoss. Diese Neuregelung ist ohne Schwierigkeiten umgesetzt worden. Wir haben deswegen keineswegs weniger BesucherInnen. Auch das, was ich von KollegInnen aus anderen niedersächsischen Zentren gehört habe, läßt den Schluss zu, dass die Umsetzung des Nichraucherschutzes relativ problemlos verlaufen ist.

In diesem Sinne ein fröhlicher Nichtrauchergruß nach NRW

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Hallo Rainer,
ich finde es eine gute Idee, dazu einen Blog einzurichten, denn eine systematische Auswertung haben wir noch nicht.
Die Situation ist meinem Eindruck nach so, wie es mit der Soziokultur allgemein ist: überall verschieden.

Von der rechtlichen Lage her müssten in Niedersachsen eigentlich alle Räume eines soziokulturellen Zentrums komplett rauchfrei sein; ich weiß aber von einigen, daß sie Raucherräume ihrer Kneipen einrichten wollen oder schon haben. Dies ist in gastronomischen Einrichtungen zulässig, wenn abgeschlossener Nebenraum, der nicht der Schankraum ist und kleiner als Hauptraum; für öffentliche Kultureinrichtungen gibt es aber im Gesetz einen anderen Paragrafen, der keine Ausnahmen kennt; da Kneipen in Kulturzentren als Wirtschaftsbetriebe allen anderen gesetzlichen Bestimmungen für Gaststätten unterliegen, auch steuerlich, halte ich es für fragwürdig, ob diese Gesetzesregelung juristisch hieb- und stichfest ist, wg Wettbewerbsverzerrung zulasten der Kneipen in Kultureinrichtungen; aber da es bisher keine Verfahren gibt und offensichtlich die für die Überwachung zuständigen Kommunen keinen Unterschied machen zwischen Kneipen in Kulturzentren und anderen Kneipen, braucht man das Thema ja nicht künstlich hochkochen.

Die Umsetzung macht bei einigen Zentren wenig Probleme, da die Rauchfreiheit bei Musik- oder Theaterveranstaltungen vielen Besuchern gefällt (ob sich das in Besucherzahlen ausdrückt, kann man noch nicht sagen); in anderen Zentren, besonders solchen mit einem sehr jugendlichen Publikum, gibt es Probleme, z.B. Besucherrückgang in der Kneipe und bei Diskos. Die Zentren mit der geringsten Förderquote und der größten Eigenerwirtschaftung sind also nach meinem vorläufigen Eindruck diejenigen, die eindeutig negativ betroffen sind.
Auch die bauliche Situation und Lage ist ziemlich entscheidend; wo eine Terrasse ist, die vom Veranstaltungsraum gut erreichbar ist und deren Lage nicht zu großen Anwohnerstörungen führt, ist die Lage besser als in Einrichtungen mit wenig Außenraum oder im unmittelbaren Wohnumfeld.

Wir sollten die Entwicklung weiter im Blick haben - und ein Blog wäre hilfreich.
Herzliche Grüße
Gerd

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Hallo Rainer,

in Baden-Württemberg besteht seit Mitte Jahr ein generelles Rauchverbot in Gaststätten und Versammlungsräumen, außer in abgetrennten Raucherräumen.
Schon vorher hat sich bei uns in der GEMS im Veranstaltungsbereich seit Jahren ein Trend zu Nichtraucherveranstaltungen durchgesetzt (vor allem von Seiten der Künstler). Zuletzt bei den Discos, bei denen aber auch immer mehr Leute ein Verbot gefordert haben. Besucherrückgänge hatten wir keine.

Bei geschlossenen Veranstaltungen in den Seminar- und Studioräumen überlassen wir es den Leuten selbst, ob geraucht wird oder nicht.

Nie mehr Panik, dass bei der Disko irgendein Depp eine brennende Zigarette in die Ecke schmeißt und über Nacht die ganze Hütte abbrennt!

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Moin Rainer,
SH wird ab 2008 auch dabei sein. Werde berichten, wenn was kommt.

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Hallo Rainer,

wir haben gestern bei der LAG MV Brandenburg auch etwas ratlos darüber debattiert. Unser Gesetz wird am Freitag im Landtag nochmals diskutiert. Erst danach können wir richtige Festlegungen treffen. Unsere Belegschaft hat schon vor drei Jahren beschlossen, in den Büroräumen nicht mehr zu rauchen. Wie das auf den Floors werden soll und vor allen Dingen, wer das durchsetzen soll, ist uns schleierhaft.

Ich halte dich auf dem Laufenden.

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lieber rainer, bei uns passiert es ab 1.1., strafen gibt es ab dem 1.7.08. rauchverbot gilt für alle öffentlichen und privaten kultureinrichtungen und cafe´s, also für das gesamte haus. wir werden uns daran halten, zumal raucher auch ein (…zensiert!!!) sind, das jetzt schon mit drohungen ohne ende hantiert. selbstverständlich gegen die wirte, nicht die gesetzgeber.
außerdem ist die gesundheitserziehung ja auch ein soziokultureller grundgedanke. passt also. vor dem haus und auf dem hof darf mann/frau natürlich rauchen. reicht das ?

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Hallo Kollegen und Kolleginnen,

Wir hätten gerne einen Raucherraum im Haus eingerichtet, jedoch die Örtlichkeiten lassen es nicht zu. Dies liegt an der hessischen Gesetzeslage, da ein Raucherraum nicht zu speziellen Zeiten als rauchfreier Raum gelten kann ( da nützen auch keine Duftkerzen und Lüftungsanlagen )
Wir halten während der Veranstaltungen, nur dann ist unser Haus öffentlich, das Verbot strikt ein, da wir belangt werden, sollten sich Gäste nicht daran halten.
Geraucht wird vor den Türen, aber da tummeln sich bei Veranstaltungen eh immer Leute, zum reden lachen, Freunde treffen und halt auch rauchen.
Ob wir jetzt weniger Besucher haben läßt sich jetzt noch nicht genau sagen, jedoch in unserer Gaststätte 60/40 sind manche Abende schwächer besucht.

Grüße aus Wiesbaden

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Hallo Rainer,

Wir haben Rauchverbot in allen Räumen des ….. ausgesprochen. Rauchen nur vor der Tür.

Trotz Verbotes und unserer Aufklärung, rauchen Gäste bei uns im Haus. Teilweise auch massiv. Wir schicken Secus durchs Publikum, weisen am Eingang darauf hin und haben das Haus voll mit Verbotsschildern. Nützt alles nichts. Die Leute rauchen trotzdem.

Wir werden jetzt 250 Verbotsplakate drucken und die aufhängen, hoffen dann auf Besserung, bevor uns jemand anzeigt. Von diversen Gästen kamen bereits Beschwerden. Solange mann in Bayern und Rheinland Pfalz noch rauchen darf, wird sich das Rauchverbot hier kaum durchsetzen lassen.

Bestes aus Wiesbaden

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Lieber Rainer,

in der städtische Einrichtungen ist generell das Rauchen verboten wurde. Wie aber das geregelt ist, weiß ich nicht genau. Aber unser Verein hat seine eigene Regelung: Absolutes Rauchverbot. Wer rauchen will, soll ins freien. Insbesondere wenn wir mit jugendlichen arbeiten, achten wir sehr darauf.

Aus Rheinland-Pfalz
PS.: ich bin selbst Raucherin, aber rauche ich in meiner eigenen Wohnung auch nicht...

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Hallo zusammen,

Unsere Erfahrungen mit dem Rauchverbot in Hessen seit Oktober sind rundum positiv. Es hat keine Woche gedauert, da war die Verunsicherung bei den Raucher/innen vorbei, die Gaststätte war ähnlich voll wie vorher und zum Rauchen gehen die Leute eben vor die Tür. Dort wurde ein Pavillon aufgestellt, der grob gegen Regen und Wind schützt.

Der Besuch in Gaststätte und bei Veranstaltungen hat überhaupt nicht gelitten. Viele, auch Raucher, loben die jetzt viel bessere Luft und die Tatsache, dass man nach einem gemütlichen Abend nicht mehr alle Klamotten in die Wäsche geben muss. Außerdem kann man jetzt endlich die leckeren Düfte aus der Küche wahrnehmen.

Nach dem Besuch zahlreicher Gaststätten und mit Blick auf den Wettbewerb der Wirte untereinander, kann ich sagen, dass jegliche Ausnahmen vom Rauchverbot kontraproduktiv sind und zu einem skurrilen Wettkampf führen, indem Wirte Eckchen und Hinterzimmer zu „Raucher-Aquarien“ umbauen, die wahre „Räucherkammern“ und absolut abschreckend sind. Wenn ein Gesetz regeln würde, dass „öffentliche Gebäude ohne Ausnahme rauchfrei zu sein haben“, müssten die Gaststättenbetreiber keine hohen Umbaukosten auf sich nehmen, weil sie glauben, andere Kneipen würden ihnen den Rang ablaufen, wenn sie das nicht auch mitmachen. Außerdem haben kleinere Locations schlechte Karten, weil sie nicht einfach irgendeinen Raum zum Raucherzimmer erklären können.

Viele Grüße aus Südhessen

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Hallo Rainer Bode.

Bis dato noch keine Erfahrungen - in Rheinland-Pfalz tritt Gesetz ab Februar 2008 in Kraft...

Wir werden erst mal vor dem Café eine Raucherecke einrichten (wie auf dem Schulhof, nur überdacht). Das Haus wird dann kpl rauchfrei sein (bis dato konnte man nur im Café sowie in einer Raucherecke auf dem Flur rauchen). Mal schauen, was dann passiert...

Viele Grüße

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Lieber Rainer Bode,

Danke, dass Du das Thema aufgreifst. Ich hoffe der LV Soziokultur Berlin findet Zeit das Thema auf seiner MV am 14.12.2009 zu diskutieren, zumal wir in Berlin derzeit heftig Widerstand gegen das Terminkartell der marktbeherrschenden Stadtzeitungen Zitty und TIP leisten, was uns voll in Anspruch nimmt.

Infos hierzu:
http://www.readers-edition.de/2007/12/07/berlin-stadtmagazine-tip-zitty-kassieren-ab/print/
http://taz.de/blogs/reptilienfonds/2007/11/27/tip-zitty-sourcen-ihre-kernkompetenz-aus/

Das Rauchverbot bei unserer MV als TOP angeführt:
Die Gaststätten und Cafés der soziokulturellen Zentren tragen z.T. erheblich zur Eigenfinanzierung der Einrichtungen bei. Mit Inkrafttreten des Rauchverbotes (mit einer Übergangsfrist zum 1.7.2007 noch Bussgeldfrei) werden möglicherweise gravierende Auswirkungen zu erwarten sein, soweit man Berichten aus Baden-Württemberg glauben schenken darf, wonach 50% mittlerweile um ihre Existenz fürchten und durchschnittlich einen 20% Umsatzrückgang bislang zu verzeichnen haben. Was kommt hier auf uns zu?
(..).<

Nachfolgend fand ich folgende Pressemitteilung vom 03.12.2007:
München (ddp-bay). Die Wirte in Bayern werden das geplante strikte Rauchverbot in Gasstätten umgehen können. «Wer seine Gaststätte als Raucherclub deklariert, darf auch weiterhin den Gästen das Rauchen erlauben», sagte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums dem Nachrichtenmagazin «Focus». Es müsse sich aber um einen «echten Club» handeln, mit Mitgliedsausweis und -beiträgen. Einer Diskothek beispielsweise, die einen «Smoker´s Monday» organisiere, drohe «Ärger mit dem Ordnungsamt».
Die Ausnahmen wird es dem Bericht zufolge geben, weil das Gesetz, das zum Jahresbeginn in Kraft treten soll, kein Rauchverbot für geschlossene Gesellschaften vorsieht. «Das wäre ein Eingriff in die Privatsphäre, und das wollen wir nicht», sagte der Ministeriumssprecher. Einen Club-Boom erwartet das Ministerium nicht. «Auch in den anderen europäischen Staaten mit Rauchverbot wurden keine neuen Clubs eröffnet», sagte der Sprecher.

Erstmal dies als Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen

Zum gleichen Thema ist sehr interessant: http://www.rauchen-in-rixdorf.de/
Ende
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