soziokultur

Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NW e.V.

Wie Soziokultur nicht baden geht

24.3.2005 > LAG NW am 8.3. in Neuss:

Das Publikum im Theater wird älter
Wie Soziokultur nicht baden geht

Das Theater am Schlachthof (TaS) sitzt nicht alleine im Schlamassel. Eine Feststellung, die beruhigt. Denn auch anderen soziokulturellen Einrichtungen im Land steht wegen Ebbe in der Kasse das Wasser beizeiten bis zum Hals. Dies durfte Reinhard Mlotek, Geschäftsführer beim TaS, bei der Tagung der Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren in NRW im Theater am Schlachthof nun wohl mit einiger Beruhigung feststellen.
Insgesamt sind rund 60 Kulturzentren in NRW der Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren angeschlossen. Darunter große Häuser wie das Zakk in Düsseldorf oder die Zeche Carl in Essen, aber auch kleinere Häuser wie eben das TaS. Gute 20 Zentren nahmen jetzt an der Tagung teil. Viele dieser Einrichtungen sind auf die finanzielle Unterstützung ihrer Städte angewiesen. Die Tagung hatte es sich deshalb besonders zum Ziel gesetzt, die Zielgruppe genauer unter die Lupe zu nehmen: Wann kommen Jugendliche in soziokulturelle Zentren, welche Veranstaltungen locken und welche nicht?
Das Fazit von Rainer Bode, dem Vorsitzenden der LAG, fällt eindeutig aus: „Die soziokulturellen Zentren müssen heute flexibel in ihren Programmen sein.“ Rainer Bode, der die LAG von Münster aus leitet, fällt solche Urteile nicht aus dem Bauch heraus. Grundlage sind Studien, die seit langer Zeit in vielen Zentren gemacht werden. Ein Fazit darin ist, dass Jugendliche nicht mehr ein festes Haus kontinuierlich besucht, also keine Abonnementbesucher mehr ist, sondern ad hoc entscheidet. Rein in die Jacke, raus aus dem Haus, rein ins Kulturzentrum. Wo auch immer.
Ein weiteres Fazit der Studie: Das Publikum wird älter. Das bestätigt auch Reinhard Mlotek für sein Theater am Schlachthof. Es seien nicht nur die Jugendlichen, die sich die Vorstellungen ansähen. Wobei man im TaS diesem Trend in den letzten Monaten entgegenwirkt, indem man vorwiegend Inszenierungen für ein jugendliches Auditorium aufführt. Bestes Beispiel: Das neueste Stück „Sid und Nancy“. „Am Ohr der Zeit sein und nicht stumpf pädagogisieren“, ist für Rainer Bode einer der Tricks, mit dem sich soziokulturelle Zentren über Wasser halten.
Reinhard Mlotek nennt dies einen „einfachen Zugang zur Kultur“, der durch soziokulturelle Zentren (eine inzwischen wohl leicht angestaubte Wortschöpfung der 70-er Jahre) ermöglicht werde: „50 Prozent unserer Besucher gehen nicht ins Landestheater oder Zeughaus.“ Laut Mlotek und Bode seien viele Politiker, von deren „Wohlwollen“ die soziokulturellen Zentren letztlich abhängen, nicht an einer „Kultur von unten“ interessiert. Sie würden den Wert dieser Zentren unterschätzen.
Das sei deshalb ein Problem, weil die Eigenfinanzierungsquote dieser Häuser teilweise bei rund 50 Prozent liegt. Am Freitag dürfte bei Mlotek vielleicht das Wasser um den Hals ein wenig sinken. Dann nämlich trifft er sich mit Kulturdezernentin Dr. Christiane Zangs, spricht mit ihr übers Geld und ist vielleicht bald schon wieder flüssig.
(SP)
ngz-online, Neuss-Grevenbroicher Zeitung, 10.3.05

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