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Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NW e.V.

Soziokulturelle Zentren sind wichtig ......

19.3.2003 > MSWKS NRW:

Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Presseinformation
19.03.2003

Soziokulturelle Zentren sind wichtig für die kulturelle Grundversorgung in Nordrhein-Westfalen

Die 68 soziokulturellen Zentren in Nordrhein-Westfalen haben ihre Potenziale als Orte für künstlerische Entwicklung noch nicht ausgeschöpft. Das ist ein Ergebnis einer Forschungsarbeit zur Zukunft der soziokulturellen Zentren, die das Kulturministerium gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren, Münster, und der Kulturpolitischen Gesellschaft, Bonn, in Auftrag gegeben hat. Die Studie beleuchtet die Perspektiven dieser Einrichtungen, die teilweise schon über 30 Jahre bestehen. Kulturminister Dr. Michael Vesper hat die Ergebnisse kürzlich auf der Landeskulturkonferenz den kulturpolitischen Akteuren in NRW vorgestellt. „Die soziokulturellen Zentren in NRW leisten seit vielen Jahren exzellente Arbeit. Die Studie macht aber deutlich: Es besteht Handlungsbedarf für das Land, für die Kommunen und für die Zentren selbst“, erklärte Vesper. Er sagte zu, die Empfehlungen und Forderungen der Studie wohlwollend zu prüfen. Wichtig sei, die Finanzierung der Zentren auch weiterhin zu sichern.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind:

Soziokulturelle Zentren sind längst kein großstädtisches Phänomen mehr. Fast 46 % der Zentren haben ihren Sitz in einer Gemeinde unter 200.000 Einwohnern, immerhin noch 13% in Gemeinden unter 50.000 Einwohnern. Gerade in den kleineren Gemeinden haben die Zentren wichtige Funktionen der kulturellen Grundversorgung übernommen, in Soest z.B. sind dem Alten Schlachthof die Aufgaben des städtischen Kulturamtes übertragen worden. Die Zentren verzeichnen hohe Besucherzahlen (Gesamtbesucherzahl im Jahr 2000: 4.3 Mio.). Zum Vergleich: Die öffentlichen Theater in NRW erreichten in der Spielzeit 1999/2000 3,78 Mio. Besucher.

Soziokulturelle Zentren sprechen ein junges Publikum an: 66,7 % der Zentren haben spezielle Angebote für Jugendliche, 56,1% wenden sich gezielt an Kinder. Sie machen außerdem Angebote für Migranten: 25% der Einrichtungen sprechen Migranten und Flüchtlinge an.
Der Anteil Ehrenamtlicher ist hoch. Jeder unbefristeten Stelle stehen 1,7 ehrenamtlich Tätige gegenüber. Hoch ist auch der Anteil der Eigenerwirtschaftung (50% der Finanzierung der Zentren).Die öffentliche Förderung ist stark rückläufig: Von 1994 bis 2000 sank die öffentliche Unterstützung um fast 55% von 7,89 Euro pro Besucher auf 3,57 Euro pro Besucher (auch Investitionsmittel). Auf Basis der institutionellen Förderung hat sich die Förderung im selben Zeitraum pro Besucher um 17% verringert (von 2,25 Euro auf 1,87 Euro)

Soziokulturelle Zentren sind wichtige Orte künstlerischer Produktion und Sprungbretter für den Nachwuchs, insbesondere für Theater, Tanz-und Musikgruppen.

Die Studie spricht folgende Empfehlungen aus:

Die öffentlichen Rahmenbedingungen müssen verbessert werden. Dies gelte für etliche Regelungen des Vereinsrechts, des Haushalts- und Zuwendungsrechts und des Steuerrechts. Vorgeschlagen wird eine Arbeitsgruppe zu diesen Themen. Die Zentren sollen außerdem besseren Zugang zu Wirtschaftsförderungs- und Existenzgründungsprogrammen erhalten; es wird ein zeitlich befristetes Beschäftigungsprogramm vorgeschlagen, das sich aus kommunalen Zuwendungen und komplementären Mitteln des Landes finanzieren könnte.

Gestärkt werden müsse die finanzielle Grundsicherung der Zentren, z.B. durch Finanzierungsverträge mit den Kommunen mit mehrjähriger Laufzeit, die auch Pflichten enthalten sollen (Zielvereinbarungen, Nutzungs-und Leistungsverträge). Die Projektförderung soll gestärkt werden. Die Landesfonds für Soziokultur und Freie Kulturarbeit sollen gehalten bzw. aufgestockt werden. Die Umbauförderung des Landes soll fortgeführt werden, so die Studie, und das Land soll Weiterqualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter der Zentren finanziell fördern.Vorgeschlagen wird außerdem die Ausschreibung eines Kulturpreises für gelungene Projekte der Soziokultur, in Anlehnung an den Jugendkulturpreis NRW oder den Innovationspreis des Fonds Soziokultur.

Selbstkritisch an die Addresse der Zentren merkt die Studie an, dass ihnen häufig richtungsweisende übergeordnete Zielsetzungen fehlen. Hier müsse mit finanzieller Unterstützung ein Diskussionsprozess angestoßen werden. Auch die Öffentlichkeitsarbeit der Zentren müsse besser werden. Dies gelte auch für die Profilierung der Programmarbeit der soziokulturellen Zentren. Ihre Potentiale als besondere Orte für künstlerische Entwicklungen würden noch nicht ausgeschöpft.

Wer die Empfehlungen der Studie „Soziokulturelle Zentren in NRW. Genese – Profile – Perspektiven“ ausführlich nachlesen möchte, kann das im Internet unter www.mswks.nrw.de/ministerium/aktuelles.htm. Die Forschungsarbeit selbst soll im April 2003 als Buch veröffentlicht werden. Bestellungen bitte an die Kulturpolitische Gesellschaft, Bonn.

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